Tor der Woche

Autofreier Stadt(t)raum in Bremen-Nord

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Es ist erschütternd im TV oder im Netz Zeuge von Katastrophen wie Kriegen, Hungersnöten, Flugzeugabstürzen oder Schiffsbränden zu sein. Hunderte, manchmal Tausende, von Toten, Verletzten, Leiden wohin man schaut. Katastrophe geht hierzulande aber auch anders. Hier reicht es für einige Bürger schon, wenn sie an einem (1) Sonntag im Jahr, für wenige Stunden nicht die gewohnte, sondern eine Ausweichroute mit ihrem Auto fahren müssen.

 

Natürlich ist Autofahren manchmal praktisch, für manche beruflich oder aus gesundheitlichen Gründen unverzichtbar. So weit so gut. Auch Kaffemaschinen können verdammt wichtig werden, jedenfalls bei mir, morgens nach dem Aufstehen. Aber warum manche Menschen ein so libidinöses Verhältnis zum Auto haben, dass sie gleich ausrasten, wenn sie einmal nicht den gewohnten Weg fahren dürfen? Sich Staus und Katastrophenszenarien einbilden und via soziale Netzwerke lauthals herausschreien, wenn an einem in Bremen in der Regel verkehrlich beschaulichen Sonntag mal ein Umweg gefahren werden muss?

 

Der "Autofreie Stadt(t)raum" war in den letzten Jahren ein beschwingtes Stadtteilfest, an dem sich Zehntausende mit Kind und Kegel beteiligt haben. Autobefürworter und -gegner, Radfahrer und Spaziergänger. Ob Walle, wie 2014, oder Neustadt 2013, immer war es vor allem ein großes Fest für den Stadtteil mit ernstem Hintergrund und politischer Botschaft, aber auch mit ganz viel Freimarktatmosphäre und guter Laune.

 

Ich gebe die Hoffnung so schnell nicht auf. Es werden ja doch immer mehr, denen es so ergeht wie mir. Ich hielt trotz langer Grüner Geschichte früher das Auto auch für unverzichtbar. Gerade mit kleineren Kindern. Heute fällt es mir schon gar nicht mehr auf, dass wir keines haben. Ich freue mich, dass wir uns mit dem Rad sehr gesund, schnell und günstig fortbewegen. Gemeinsam als Familie. Kinder, die erleben, dass man sich sehr gut aus eigener Kraft mit dem Rad auch weitere Strecken fortbewegen kann, und dass Mama- oder Papa-Taxi heißt, auch mal auf dem Kindersitz befördert zu werden, wenn es zu anstrengend wird. Da tun mir die Kinder schon fast leid, die morgends per Auto im Kindergarten vorgefahren werden. Der Co2-Ausstoß des elterlichen Taxis gräbt auch an ihrer zukünftigen Lebensqualität, ohne dass sie es sich aussuchen können.

 

Und die Moral von der Geschicht? Car-Sharing NutzerInnen fahren im Schnitt nur 10% der Jahresleistung eines Autobesitzers. Sie fahren also, wenn unbedingt nötig, auch Auto, den großen, 90%igen, Rest aber mit Rad, Bahn oder Bus. Was sie damit aber auch demonstrieren ist: es gibt viele Gründe manchmal im Leben zu verzweifeln, wer aber verzweifelt, weil in Bremen Nord mal einen halben Sonntag lang die Fete statt der Autoverkehr tobt, der hat das Rad nicht dran sondern ab!

 

 

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