Tor der Woche

Fantrennung: So nicht!

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Schon wieder gibt es Ärger - zumindest seine Vorboten - rund um das Weserstadion. Kaum ist der letzte Prozesstag des Skandal-Prozesses um den rechten Überfall auf die Fans im Ostkurvensaal ein paar Tage vorbei (siehe Blog-Archiv), gibt es neuen Zündstoff dort, wo die Weser einen Bogen macht.

 

Öffentlich diskutiert wird alles als "Sicherheits- und Rettungswegeproblem" rund um das Weserstadion. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Es gibt - trotz großer Sicherheit innerhalb des Stadions - ein paar Probleme mit der Rettungssicherheit, falls einmal sehr viele Verletzte etwa nach einer Massenpanik, einem Brand oder Ähnlichem gleichzeitig versorgt werden müssten. Im Wesentlichen fehlt es an Platz rund um die Westkurve. Hier hat der Aufsichtsrat der Weserstadion GmbH, dem ich angehöre, schon seit einem Jahr, die Verlegung der Tennisplätze des Vereins Rot-Gelb gefordert. Damit könnte man Freiraum schaffen für den Ausnahmefall, dass vor der Kurve die Bergung und Versorgung von zahlreichen Verletzten aus der Westkurve organisiert werden müsste. Außerdem hätte man generell etwas mehr Platz und Freiraum auf dieser Seite des Stadions. Soweit so gut und unproblematisch.

 

Hinter diesen Diskussionen steckt aber ein Konzept, dass ich für total falsch und überzogen halte. Das Konzept heißt "Totale Fantrennung" und geht in etwa so: Der Verein will möglichst wenig Stress mit auswärtigen Fans und die Polizei und der Innensenator wollen möglichst wenig Aufwand mit der Bewachung und Begleitung auswärtiger Fangruppen. Deshalb streben sie an,  die auswärtigen Fans, zunächst bei so genannten Risikospielen (Derbies oder Spiele gegen traditionell verfeindete Fangruppen) vom Bahnhof weg einzukesseln, in Busse zu verfrachten und über eine neu ausgebaute Rampe von Café Ambiente direkt hinunter zum Gästeeingang der Westkurve zu verfrachten. Dort hinein in den Käfig Gästeblock und auf selbem Wege wieder zurück zum Bahnhof.

 

Teile von diesen Überlegungen finde ich zumindest nachvollziehbar. Es ist richtig, zu versuchen, Gewalt möglichst aus dem Umfeld der Spiele zu verbannen, es nicht zuzulassen, dass das ganze Viertel zum Kampfplatz von Schlägern wird. Der Innensenator hat ein begrenztes Budget. Viel Kohle geht für den Einsatz von Polizei aus anderen Bundesländern drauf, die cash bezahlt werden müssen, und nicht zu knapp. Dem kleinen Teil von Fußballfans, die sich mit anderen Fans nur kloppen wollen, und die nicht selten auch Unbeteiligte verletzen, dem sollte man meiner Meinung nach auf keinen Fall ein Freispiel für Machogewalt und Zerstörung anbieten. Was sich letzten Sonntag bei der Rückfahrt vom Hannoverspiel und auf dem Bremer Bahnhof im Zusammentreffen mit den Schalkefans abgespielt haben soll, braucht kein Mensch und am allerwenigsten der Fußball.

 

Ich bin aber gegen das Konzept der totalen Fantrennung. Behandelt man die Fans allesamt wie gefährliche Tiere, die im Käfig gehalten und von dem Rest der Menschheit abgesondert werden müssen, wird dies Agressionen und Gewalt eher schüren. Zuletzt beim Hertha-Spiel, aber auch bei vielen anderen Begegnungen, sieht man grün-weiße und auswärtige Fans in voller Fanmontur gemeinsam zum Spiel ziehen und danach - egal wie es ausgegangen ist - beim Bierchen friedlich zusammenstehen. Das - auch das - ist Fußball. Das zu zerstören, gegenerische Fans nur als Gefahrenpotenzial anzusehen, macht meiner Meinung nach mehr an friedlicher und fantasievoller Fankultur kaputt, als man auf der Seite an Sicherheit gewinnen würde. Das Zusammensein von Fans, die Entwicklung der Fankultur zu fördern, das muss das Ziel sein. Nicht die Einkesselung und Trennung der Fangruppen.

 

So könnte man auch auf den breiten Ausbau des jetzigen Weges vom Ambiente über den Deich zum Stadion verzichten. Weil dann zwar Rettungsfahrzeuge dort fahren könnten, aber eben keine großen Gelenkbusse der BSAG mit auswärtigen Fans. Der neu gewonnene Platz vor der Westkurve nach Abzug des Tennisvereins würde tatsächlich für Auslauf und Notfälle genutzt und nicht als riesiger Busparkplatz.

 

Alle Beteiligten sollten sich intensiv zusammensetzen, um ein Konzept zu entwickeln, das die jetzige Situation rund um das Stadion verbessert, aber nicht die Fankultur zerstört, von der der Fußball lebt.

 

 

 

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