Tor der Woche

Unsere Hochschulen: Friedlich, zivil und autonom

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Trotz nuklearer und konventioneller Abrüstung, trotz einer langen Friedensphase in Europa fanden im letzten Jahr mehr Kriege und Bürgerkriege statt als all die Jahre zuvor. Die Bundeswehr schrumpft endlich und ist zur Freiwilligenarmee reformiert. Dennoch steht sie in mehreren Krisenherden an der Front und die Lage im Maghreb, im Nahen Osten und in Afrika ist nach wie vor von Gewalt und Krieg geprägt. Waffenexporte dominieren die Handelsbilanzen vieler Länder, auch in Deutschland spielen sie eine sehr große Rolle in der Wirtschaftsstruktur.

 

In diesem Kontext hat sich der Akademische Senat (AS) der Universität Bremen nach langen und schwierigen Diskussionen für den Erhalt der Zivilklausel der Universität Bremen ausgesprochen. Damit steht das Uni-Parlament weiterhin zu den Grundsätzen seines Beschlusses vom 14. Mai 1986. Er besagt, dass die Universität jede Beteiligung von Wissenschaft und Forschung mit militärischer Nutzung beziehungsweise Zielsetzung ablehnt. Forschungsthemen und -mittel, die Rüstungsforschung dienen könnten, sind öffentlich zu diskutieren und gegebenenfalls zurückzuweisen. Zudem steht der AS zu seinem Beschluss vom 26. Juni 1991: Die Verpflichtung der Universität Bremen zur zivilen Forschung. Der AS dazu: „Die Universität ist dem Frieden verpflichtet und verfolgt nur zivile Zwecke. Dies ist Bestandteil ihrer Leitziele.“

 

In einer teilweise aufgeladenen Diskussion hat sich die Universität Bremen mit diesem Beschluss als demokratisch voll handlungsfähig und als mit ihrer gesellschaftlichen und politischen Rolle sehr verantwortungsvoll umgehend gezeigt. Ähnliche Diskussionsprozesse sind auch an den Hochschulen Bremen und Bremerhaven und der privaten Jacobs-Universität im Gange. Die Hochschule der Künste kann man im Kontext dieser Diskussion wohl eher vernachlässigen.

 

Aus diesen Gründen lehne ich den jetzt aufgekommenen Versuch, die zivile Ausrichtung der Forschung nachträglich im Bremer Hochschulgesetz festzuschreiben, ab. Es bedarf, wie wir gesehen haben, keiner von oben aufgedrückten Direktive durch die Politik. Die Universität hat sich entschieden, nicht nur friedlich und zivil, sondern auch autonom in ihren Entscheidungen zu sein. Ich wünsche mir statt politischer Bevormundung der Wissenschaft, dass auch an den anderen Hochschulen des Landes eine ähnlich demokratische und intensive Diskussion über die Ausrichtung der Forschung stattfindet, und dass am Ende gleiche oder ähnliche Ergebnisse herauskommen, wie an der Bremer Uni. Für den Weltfrieden und für eine demokratische und verantwortliche Selbstregulation der Forschung wäre damit ein kleiner aber wichtiger Beitrag geleistet.

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