Tor der Woche

Zum Umgang mit dem Rechtspopulismus

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Irgendetwas machen wir offensichtlich falsch

Ein großer Teil des politischen Diskurses wird zur Zeit darauf verwendet, sich über Rechtspopulisten zu mockieren und sich Gedanken zu machen, wie sie am besten zu bekämpfen sind. Wie die bisherige Empirie von Wahlergebnissen (Trump, Brexit) und Umfragen (AfD, Le Pen, Wilders) zeigt, hat dies auf die Rechtspopulisten eher die Wirkung eines Aphrodisiakums. Ist doch auch klar: alle reden über einen, alle machen einen bekannt, alle beschwören, wie mächtig, wie gefährlich, wie neu man ist. So viel Publicity kann keine Werbeagentur leisten: dumm aber sexy!

 

Die Quintessenz der Erfolge von Trump und Co. und den verzweifelten Versuchen, sie zu entlarven und zu bekämpfen ist, dass diese Kreise inzwischen kaltschnäuzig mit der Empörung ihrer GegnerInnen, mit der öffentlichen Resonanz auf ihre hanebüchenen und menschenverachtenden Sprüche spielen und sie ganz gezielt als Werbemittel gegenüber der eigenen Klientel einsetzen. Klickzahlen, Emotionen, Anti-Establishment, Intellektuellen-Bashing, all das wird nahezu immer über Bande gespielt als Reaktion auf Reaktionen. Und die Bande sind wir!

 

Klar ist doch, dass es politische Überlegungen, Strategie und Taktik gegenüber den Rechtspopulisten geben muss und dass darüber auch kontrovers diskutiert werden muss. Aber vielleicht macht dies mehr Sinn ohne Erregungsspiralen auf twitter, ohne den tausendsten lustigen oder ernsten Versuch, mit YouTube-Filmen, Instagram-Bildern, und ähnlichem eine Gegenöffentlichkeit schaffen zu wollen, die nur die eigenen Leute zu bestätigendem Nicken oder Schenkelklopfen einlädt? Und für die Rechtspopulisten eine kostenlose Propaganda darstellt!

 

Abgesehen davon: gerade politische Kräfte, die regieren, arbeiten am effektivsten gegen den Hass der Rechtspopulisten, wenn sie sich darauf konzentrieren, ihre Aufgaben zum Wohle der BürgerInnen zu erfüllen und dabei vorzeigbare Ergebnisse zu produzieren. Diese dann im besten Sinne volksnah zu präsentieren, emotionale Angebote zu machen, authentisch mit den BürgerInnen in Dialog zu treten statt technokratische Alternativlosigkeit zu demonstrieren, kann auch nicht schaden. Vielleicht ist nicht die spannendste Frage, warum Trump gewonnen hat, sondern warum Hillary Clinton im Unterschied zu Obama nicht gewonnen hat!

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